• 22 Jun, 2017

Greifswalder Koeppentage vom 22. bis 28. Juni 2017

Heute beginnen im Literaturzentrum Vorpommern die Greifswalder Koeppentage. Wolfgang Koeppen wurde 1906 in Greifswald geboren und starb 1996 in München. Koeppen gehört zu den wichtigsten Autoren der deutschen Nachkriegsliteratur. Eines dieser Werke wurde bereits auf immerlesen.de besprochen: Tauben im Gras,  Koeppen schrieb auch Drehbücher für Kinofilme und eine Reportage über die Dreharbeiten zu „F.P.1 antwortet nicht“. Dabei handelt es sich um einen 1932 von der UFA produzierten Science Fiction Film über Stützpunkte im Meer, die den Transozeanflug ermöglichen sollten. Das Literaturzentrum Vorpommern befindet sich in der Bahnhofstraße 4/5 in 17489 Greifswald.

  • 30 Jan, 2017

Ist Trump der amerikanische Mussolini?

Ist die USA auf den Weg in den Faschismus? Wer Antworten auf diese Fragen sucht, dem sei die aktuelle Biographie, „Mussolini Der erste Faschist“, zur Lektüre empfohlen. Der Autor Hans Woller schildert in knappen Kapiteln den Aufstieg und Fall des ersten faschistischen Diktators in Europa. Woller beschreibt anschaulich, wie der mit übergroßem Ego ausgestattete Sozialist und gelernte Lehrer Mussolini an die Macht drängt. Nachdem er bei den Sozialisten nicht die erstrebte Karriere an die Spitze der Partei und eine sozialistische Regierungsübernahme erreichte, wechselte er ohne große Bedenken die politische Richtung. Mussolinis ausgeprägter Wille zur Macht, sein Gespür für Strömungen der Gesellschaft ermöglichte es ihm, Anfang der zwanziger Jahre die zersplitterten rechtsradikalen Schlägerbanden zu einen und sich an deren Spitze zu setzen. Kraft seines Charisma und seines taktischen Geschicks formt er die faschistischen Gruppierungen, bisher ohne politische Bedeutung, zu einer für breite Bevölkerungskreise wählbaren Protestpartei, der Partito Nazionale Fascista. Mit Druck von der Straße und blankem Terror schließlich am Ziel, ernannte ihn der italienischen König zum Ministerpräsidenten. Schließlich bildete er unter Beteiligung der alten Eliten eine faschistische Regierung.Die faschistische Partei und ihre Organisationen durchdrangen schon bald die italienischen Gesellschaft. Der „Duce“ Mussolini und die Faschisten wurden von breiter Zustimmung getragen. Die Morgenröte einer neuen Zeit schien angebrochen. Italien sollte wieder groß werden. Vor allem stützte die Begeisterungsfähigkeit der Jugend das System. Die faschistische Hymne „La Giovenezza“ ist beispielhaft dafür, sowie der Slogan „Credere Obbedire Combattere “ (Glaube! Gehorche! Kämpfe!). Mussolinis Rhetorik war brutal und wirksam durch Regelverstöße. So etwas war im wahrsten Sinne bislang unerhört. Das Ende von Mussolini ist bekannt: Im April 1945 brach sein faschistisches, von deutschen Waffen gestütztes Marionettenregime von Salo zusammen. Als engster Verbündeter Hitlers wurde er auf der Flucht von Italien in die Schweiz von Partisanen erschossen. Was macht aber diese Biographie gerade heute so lesenswert? Sie verdichtet den Aufstieg einer ressentimentgeladenen Person, die mit unbedingtem Willen an sich selbst und ihre Großartigkeit glaubt. Mit Charisma, Regelverletzungen und Brutalität, gelingt es Mussolini sich an die Spitze des Staates aufzuschwingen und mit Dekreten „durchzuregieren“. Vom Palazzo Venezia zum Weißen Haus? „Rende l'Italia ancora una volta grande“ oder: „Make america great again“? Mussolini wollte Italien wieder groß machen. Es sollte stark und autark sein und an die Zeiten des römischen Imperiums anknüpfen. Es werden erschreckende Parallelen zu den ersten Tagen der Präsidentschaft Trump sichtbar. Trump, ein Egomane und Narzisst wie Mussolini, Putin und Erdogan, verspricht Amerika wieder groß zu machen. Er wird getragen von der Zustimmung der vermeintlich Abgehängten. Wie auch die Faschisten der zwanziger Jahre des vergangenen Jahrhunderts, verachten auch diese voller Ressentiment, ja blankem Hass das politische Establishment. Genau das ist die trübe Brühe, in welcher der Faschismus seine Sumpfblüte entfalten kann. Verstörende Bilder Die Ikonographie der Inszenierung bei der Unterzeichnung von Dekreten im Oval Office durch Trump, ist die gleiche wie bei der Unterzeichnung faschistischer Dekrete im Palazzo Venezzia, dem Amtssitz des Duce. Das geht bis zur Körpersprache mit energisch vorgestrecktem Kinn und „zustechenden“, drohenden Zeigefinger in wilder Gestik erstarrend. Verstörend, Ja beängstigend die verlogene und auch brutale Rhetorik die aus dem Weißen Haus schallt wie aus einem Propagandaapparat eines autoritären Regimes. Ist Trump, der charismatische Egomane, der Regelverletzer, ein Faschist?„Mussolini“ Eine Biographie von Hans Woller, e__rschienen bei C.H. Beck

  • 20 Jan, 2017

Der Duden als Unterhaltungslektüre

Das Kursbuch der „Deutschen Bahn“ … „Saarbrücken, der Zug endet hier…!“ – Wer kennt nicht diesen letzten und bedeutungsschweren Satz aus jenem Sketch[1], in welchem Loriot im Stil und Habitus eines Literaturkritikers das Kursbuch der Deutschen Bahn vorliest? … oder doch besser den Duden? Wie anders lässt sich doch der Duden lesen, jedenfalls mit höherem Erkenntnisgewinn. So erklärt dieser doch nicht nur die korrekte Schreibweise, sondern auch die Bedeutung der Wörter, die zu Sätzen gefügt das Medium unserer Sprache und der Kommunikation ausmachen. Das kommt einem am Hauptbahnhof in Saarbrücken besonders gelegen, wenn sich der Zug wieder einmal „aufgrund einer Betriebsstörung“ verspätet. Vorsicht (Satire)! Doch sei die Lektüre des Duden mit Vorsicht angegangen, damit der geneigte Leser sich nicht verliere in den Buchstaben, sondern sie einsetze und ihnen Leben einhauche. Nicht dass es den Wörtern ergehe wie in dem Gedicht „Bibliothek“ von Ernst Jandel, welches wie folgt beginnt: „die vielen Buchstaben die nicht aus ihren wörtern können“ Die Lektüre des Duden liefert jedenfalls Erkenntnisse und verbessert die Rechtschreibung ungemein. [1] Zitat Duden: „Skẹtch, Skẹtsch [skɛt͜ʃ] der; -[es], -e <it.-niederl.-engl.; »Skizze; Stegreifstudie«>: (bes. im Kabarett, Varietee, Fernsehenaufgeführte) kurze, effektvolle Szene mit meist witziger Pointierung“Duden - Die deutsche Rechtschreibung: Das umfassende Standardwerk auf der Grundlage der aktuellen amtlichen Regeln Dudenredaktion

Wolfgang Koeppen - Literaturpreis 2018

Der Autor Christoph Peters erhielt in diesem Jahr den Wolfgang Koeppen - Literaturpreis. Diese Auszeichnung wird alle 2 Jahre jeweils am 23. Juni von der Universitäts- und Hansestadt Greifswald in Gedenken an den Schriftsteller und Greifswalder Ehrenbürger Wolfgang Koeppen verliehen. Der Preis ist mit 5.000 Euro dotiert. Auf immerlesen.de haben wir bereits das Buch «Tauben im Gras» von Wolfgang Koeppen rezensiert.Auch das Werk «Treibhaus» von Koeppen sei empfohlen. Es ist eine hinreißend boshafte Beschreibung des Politikbetriebs der frühen Bundesrepublik und ihrer Bundeshauptstadt Bonn.